Israel dreht den Spiess herum

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Er  heißt Avigdor Liebermann, gebürtiger Moldawier und 50 Jahre alt. Und: Er ist ein rechtsradikaler, israelischer Politiker. Seine Partei, „Unser Zuhause, Israel“, hat bei den Parlamentswahlen am Mittwoch 12,5% der Stimmen (letzte Wahl 9,1%) geholt und ist drittstärkste Partei. Hier seine Standpunkte:

  • Vollständige Trennung von Juden und Arabern (sogar israelische Araber sollen abgeschoben werden)
  • Der Iran ist die Wurzel von Hamas, Hizbollah und Terror
  • Israel steht an der Frontlinie im Krieg der westlichen Welt und dem radikalen Islam
  • Der Nahostkonflikt ist Ergebnis eines aggressiven, untoleranten Islams

Damit verglichen sind die Parteiprogramme von europäischen Rechtsradikalen wie NPD, Front National oder FPÖ geradezu gemäßigt. Aber ein Vergleich zwischen Israel und Europa (Lieberman macht sich übrigens für einen EU-Beitritt stark) scheint unter den gegebenen Umständen nicht zulässig.

Hinter der Politik des Ex-Türstehers Lieberman steht die rassistische Ansicht, dass der arabische Mensch nicht fähig ist zu einem Zusammenleben mit dem jüdischen Mensch. So soll durch die Trennung der Beiden, das wirtschaftliche Wachstum, die Sicherheit und der jüdische Charakter Israels gewährleistet werden.

Nach dem regelmäßigen Aufschrei von israelischen Politikern nach einem Rechtsruck oder der Wahl eines Rechtspopulisten (Haider, Le Pen) sind solche Wahlergebnisse doch sehr überraschend. Wie kann ein Volk, dass vielleicht am meisten unter Rassismus gelitten hat, nun eine derartige politische Richtung einschlagen? Ist es die pure Rache des Mobs, nach den letzten Gemetzeln? Ist Israel müde des ständigen Konflikts und möchte ein „Ende mit Schrecken“ statt ein „Schrecken ohne Ende“?

Vielleicht ist die Trennung das Beste für beide Seiten? Schwierige Frage. Aber der „herkömmliche“ Friedensprozess (mit einem Zusammenleben der beiden Gruppen) ist zur Zeit wohl eine noch entferntere Vision.

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